Die fünf Wandlungsphasen

Ebenso wie das Yin-Yang-Prinzip sind die fünf  Wandlungsphasen ein System. Das in allen Bereichen des Lebens angewendet wird, um die polaren Kräfte eines Geschehens einzuordnen.

Xing, die chinesische Bezeichnung der Wandlungsphasen, bedeutet wörtliche übersetzt „Durchgang“ und deutet damit an, dass zwischen diesen Phasen eine starke Wechselwirkung besteht, dass sie einander bedingen. Fälschlicherweise wird für diesen Begriff in Europa oft das Wort „ Element“ benutz, was zu der Annahme führt, es handle sich hier um etwas Ähnliches wie in der griechischen Lehre von den Elementen. Doch es handelt sich hier um einen völlig anderen Denkansatz.

Die fünf Wandlungsphasen sind das Metall, das Wasser, das Holz, das Feuer und die Erde, Ebenso wie das Yin und das Yang sind sie voneinander abhängig und dabei völlig gleichwertig. Ein Zeichen bezieht sich auf das andere, kein Zeichen könnte ohne die übrigen Existieren. Aus ihrer Konstellation zueinander ergibt sich ein Gleichgewicht der Kräfte bzw. deren Verschiebung.
Einfache Beispiele mögen den Zusammenhang der fünf Wandlungsphasen untereinander erläutern.

Das Wasser führt dem Holz Nahrung zu. Es fällt als Regen oder Tau und wird in den Wurzeln eines Baumes gespeichert.

Das Holz wiederum nährt das Feuer, das außer Sauerstoff auch Brennmaterial benötigt. Ein Feuer kann auch entstehen, wenn man zwei Hölzchen stark aneinander reibt.

Aus dem Feuer wird Erde, denn alles, was von ihm ergriffen wird, ist zuletzt Asche. Und nur durch die Erde kann Feuer sichtbar werden, denn, wie schon gesagt, ein Feuer braucht Material, das es verbrennen kann.

In der Erde aber finden wir das Metall, das oft in ihren Tiefen lagert.

Einen Kreislauf dieser Art mit den einzelnen Stufen Wasser >Holz > Feuer > Erde > Metall bezeichnet man als Hervorbringungsreihe, denn aus jedem Durchgang geht etwas anderes hervor.

Daneben gibt es noch zwei weitere Reihen: die der Bezwingung und die der Überwältigung. Im Fall der Bezwingung gilt folgender Kreislauf: Feuer > Metall > Holz > Erde > Wasser.

Das Feuer bezwingt das Metall, denn es schmilzt durch seinen Großen Hitzeeinfluß das Eisen, so dass es geschmiedet werden kann.

Das Metall bezwingen das Holz, indem es, zum Beil umgewandelt, den Baum fällt.

Das Holz bezwingt die Erde, indem es mit seinen Wurzeln das Erdreich festhält.

Die erde bezwingt das Wasser, denn durch Aufschüttung von Dämmen und den Bau von Kanälen wird sein Lauf geregelt.

Das Wasser bezwingen wiederum das Feuer, denn es kann es auslöschen.

Die letzte Reihe, die der Überwältigung, veranschaulicht jene Vorgänge, die zu einer Störung des energetischen Kräftespiels führen und damit meist eine Krankheit zur Folge haben. In diesem Kreislauf streben die einzelnen Phasen nach Dominanz, wodurch das harmonische Gesamtbild zerstört wird. In der chinesischen Medizin forscht man nun nach dem Ursprung dieser Störung, um so das verlorene Gleichgewicht wiederherzustellen.

Das Spiel dieser Kräfte findet in allen Vorgängen des Lebens seinen Ausdruck. Man stelle sich beispielsweise ein Paar vor, das in den Phasen Feuer und Wasser zur Welt kam. Das Wasser wird nun versuchen, das Feuer zu bezwingen, indem es die Glut des andern löscht. Wenn nun das Feuer wiederum dominieren will, erhitzt es das Wasser so lange, bis es zu Dampf wird und aufsteigt. Da Dampf aber wieder als Regen zur Erde wiederkehrt, ist es klar, dass sich dieser Vorgang ständig wiederholt. Eine Störung baut sich in dieser Partnerschaft auf, die immer wiederkehrt.

Ein anderes Paar wurde in den Phasen des Metalls und des Feuers geboren. Das Feuer übt eine bezwingende Kraft auf das Metall aus, indem es seine feste Struktur zum Schmelzen bringt. Wenn das Metall nun versucht, das Feuer zu überwältigen, indem es das Feuer in die Flucht schlägt, ergibt sich ebenso wie im vorangegangenen Beispiel eine tiefe Störung im Gleichgewicht der Kräfte.

Natürlich handelt es sich hier um vereinfachte und grobe Darstellungen sehr komplexer Vorgänge, denn niemand ist einfach nur Wasser, Feuer oder Metall. Es ist ein großer Unterschied, ob ich als Ratte mit Aszendent Tiger in der Phase des Feuers zur Welt gekommen bin oder als Drache mit Aszendent Ziege in der Phase des Holzes. Auch sind ja, wie gesagt, diese einzelnen Phasen nicht statisch, sondern in ihrer Wirkung dynamisch.

 Auch der menschlichen Anatomie ordnet man die fünf Wandlungsphasen zu und schafft so ein Bezugssystem für die ineinander greifenden Funktionen der einzelnen Organe. Wie schon erwähnt, betrachtet ein chinesischer Arzt eine Erkrankung immer als Kette von Ursache und Wirkung und sieht im Symptom gleichsam nur die Spitze eines Eisbergs.

Die Einordnung in das Yin-Yang-Prinzip und in die fünf Wandlungsphasen hat so auf vielen Ebenen in China Bedeutung, im Bereich der Astrologie ebenso wie in der Medizin oder Landwirtschaft. Denn einem Chinesen ist das philosophische Erbe seiner Väter wohlvertraut,  und er weiß es in allen Berechen des täglichen Lebens anzuwenden.